Donnerstag um 10h hatte ich den Termin beim Homöopathen, bei dem ich Montags gewesen war. Montag kam ich voller Zuversicht nach Hause, für ihn war klar, dass es nicht unbedingt FIP sein muss. Er gab mir Globuli mit für die Leber. Schickte mich aber auch noch zu einem anderen Arzt, wegen eines Blutbildes, das er leider nicht machen konnte.
Mir tat es für den Kater leid, am Montag, diese hin- und herfahrerei. Mal gut, dass ich wenigstens wusste, dass ihn so schnell nichts stresst.
Der zweite Arzt nahm Blut ab, maß Temperatur (Fieber 39,5) und diagnostizierte auch sehr schnell auf FIP. Aber ich war ja gestärkt vom Homöopathen.
Dienstag stellte er plötzlich auch die Lust auf Leckerchen (wo er eh immer sehr wählerisch war) ein. Abends konnte ich ihn immerhin zu einem Schluck katzenmilch, wo ich die Globuli aufgelöst hatte, überreden. Mittwoch rief ich beim Homöopathen an. Ob der Kater denn ansonsten anders wäre. Nein. Fühlt sich auch nicht heiß an und atmet nicht schwerer… Wir einigten uns darauf, dass ich am Donnerstag früh reinkomme.
Als ich aufstand und der Schlafplatz des Katers leer war, sackte mir das Herz in die Hose. Schon Mittwoch Abend hatte ich gemerkt, dass er jegliche Kraft verloren hatte. So wie ich ihn hochnahm und auf den Schoß nahm, so blieb er liegen. Ohne jegliche Kraft. Er wurde immer gerne getragen, aber trotzdem lag er ja nie wie ein Sandsack auf dem Arm. Ich suchte ihn und fand ihn auf der Couch. Ich frage mich ja immer noch, wie er es dort noch hochgeschafft hat. Denn…er taumelte mittlerweile auch.
Punkt 10h kamen wir in der Praxis an. Wir öffneten die Box, der Arzt nahm ihn raus… Und er erschrak. Der Kater bekam schlecht Luft, er konnte den Urin nicht halten, er tröpfelte, seine OHren/Mund waren noch gelber… und der Kater war kalt. Untertemperatur. Ich wusste, was er mir sagen wird, bevor er es aussprach.
Ich fuhr nach Hause, legte den Kater zu Plexi ins Bett und erzählte ihm heulend, was los ist. “Du solltest doch wieder gesund werden, Kumpel” waren Plexi’s Worte. So lagen wir 30 MInuten mit ihm im Bett. Ich rief meinen Dad an, um zu fragen, ob wir später vorbeikommen können, mit dem Kater, um ihn im Garten zu beerdigen. Wir verabschiedeten uns. Am ersten Tag, Ende Januar, hab ich dem Kater versprochen, ihn gehen zu lassen, wenn der Tag gekommen ist, ihn erlösen zu lassen, wenn er leidet. Noch einen Abend vorher sagte ich zu einer Freundin, dass ich Angst habe, den Tag zu verpassen, wo er anfängt zu leiden. Ich habe ihn nicht verpasst. Ich habe ihn genau getroffen. Gg. 11h rief ich beim Tierarzt an. Und dann trug ich den Kater nochmal durch die Wohnung. Zu den Plätzen, wo er so gern gelegen hat. Den Balkon ließ ich aus.
Um 11.30h war es soweit. Plexi, sein Bruder und ich machten uns auf den Weg. Die Transportbox auseinandergebaut, damit der kleine Mann noch was von der Welt sehen kann, wo er doch so neugierig war, auf seiner letzten Reise.
Die Narkose wurde gesetzt. Ich hatte soo Angst, dass mein Kreislauf schlapp macht. Mein Herz raste. Der Kater bewegte sich und ich hatte Angst, er wehrt sich. Er bettete sich aber nur nochmal um und legte den Kopf auf dem Rand der Transportbox ab. Wir streichelten ihn. Ich drehte mich weg, ich musste schluchzen. Aber ich fing mich schnell wieder, wollte ich doch für den Kater stark sein. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit,bis die Ärztin wieder kam… Ob wir das, was jetzt kommt, sehen könnten…und ob wir dabei bleiben wollen. Für mich stellte sich die Frage nicht. Natürlich.
Sie setzte die Spritze. Wir streichelten den Kater immer noch. Seine Augen waren auf uns gerichtet. Er blickte uns immer noch so lebendig an und ich begann, mich zu fragen, wie lange das wohl noch dauern wird… Da war er aber schon erlöst, hirntod. Ohne, dass ich es gemerkt habe.
Ich bin über meine Stärke erstaunt. Hatte ich doch Angst, dass ich völlig hysterisch austille. Ich bin froh, dass ich dabei nicht allein war. Ich wusste natürlich die ganze Zeit, dass uns keine Wahl blieb und dass es die einzig richtige Entscheidung war. Aber schön war das nicht.


