Reise in die Vergangenheit

Es ist schon komisch. Fast 5 Jahre sind wir getrennt. Ich würde sagen, ich habe vernünftig verarbeitet, abgeschlossen, mich nicht Hals über Kopf in eine andere Beziehung gestürzt. Als ich meine erste Beziehung nach C anfing, hatte ich schon lange keine Gefühle mehr für ihn.

Allerdings ist es schon merkwürdig, dass ich mich manchmal immer noch über Sachen aufrege, die er getan hat. Wo ich mich frage “Wieso hab ich mir das gefallen lassen?!” Nein, ich meine nicht seinen Seitensprung, eher so subtile Sachen. Wo er meine Intelligenz wirklich beleidigt hat. Sachen abgestritten, die klar auf der Hand lagen. Sowas käme mir heute nicht mehr in die Tüte. Neverever.

Neulich schaute ich Schund TV im Urlaub und da war ne Sendung, in der mich eine Sache ganz klar an C erinnerte und der Typ verhielt sich genauso wie C. Und ich merkte, wie mir wieder mein Kamm schwoll. Ich weiß nicht, ob es die Wut auf ihn ist (ne, die hab ich eigentlich nicht), sondern es ist vielmehr die Wut auf mich selber. Ich wusste, er sagt da nicht die Wahrheit und ich hab’s hingenommen (es war übrigens nichts weltbewegendes oder wirklich schlimmes), weil ich wusste, die Wahrheit erfahr ich da ohnehin nicht und weils die Sache auch eigentlich nicht wert war. Und während ich mich da also aufregte, fielen mir natürlich noch ein paar Dinge ein, die mich wieder auf die Palme bringen, genauso wie sie es im Jahre 1999 getan haben. Mein Gott, das ist 10 Jahre her. Dass ihm seine zurückgewonnenen Freundinnen aus Kindestages plötzlich wichtiger schienen, als ich. Die ihn nach kurzer Zeit ohnehin wieder den Rücken zugekehrt haben. Dass er mich dafür krank im Stich ließ einen Abend und sich lieber mit denen traf, obwohl ich nichts nötiger gehabt hätte, als dass er bei mir bliebt. Nicht wegen der Migräne, sondern seelisch. Statt dessen rief er nach seinem Pizzabackbesuch an, wir stritten noch ein wenig und es stellte sich raus, dass er zu mir kommen wollte, weil es ihm alleine nicht gut ging (Panikattacken-Krankheit).  Und was mach ich? Natürlich konnte der gnädige Herr zu mir kommen. 

Auch, wenn sich das jetzt anders liest, wir hatten auch eine sehr schöne Zeit, sonst wären wir nicht 7 Jahre zusammen gewesen. Ich schreib ja jetzt nur über die negativen Dinge. Das Schöne hab ich ja in Erinnerung. Auch unsere Trennung war eigentlich eine Traumtrennung. Kein Gezanke über Hab und Gut. Klar, es gab Zoff, aber der war minimal und beschränkte sich auf andere Dinge. :wink:

Ich frage mich nur, warum mich das immer noch auf die Palme bringen kann, wenn ich mich einmal reingesteigert habe.

Trotzdem weiß ich, dass ich an der Beziehung zu lange festgehalten habe. Oder falsch festgehalten habe. Ich mag ihn. Sporadisch haben wir Kontakt. Mal tut’s gut, mal ist’s nervig. Ist immer irgendwie tagesformabhängig. Es gab Telefonate, nach denen ich dachte “Bäh, wat willste mit dem?”. Es gab Telefonate, die nett waren.
Es gibt Situationen, wo ich denke “Er hat sich nicht geändert und ich bin so froh, dass ich nicht mehr dazu gehöre.”

 

Too late

Manchmal, “Jahre” zu spät, kommt ein Thema auf den Tisch oder in’s emailfach. Und das, was man dort liest, freut einen dennoch. Auch, wenn alles hätte anders sein können, wenn, dann und so halt.

Aber es ist sehr sehr schön, auch nachträglich noch seinen Stellenwert zu erfahren.

(Über das Treffen mit dem Ex schweige ich. Ich kann nicht so viel essen wie ich kotzen möchte)

Wundersames

Es gibt doch tatsächlich Phasen, in der ich mir meine Anwesenheit im Deutsch LK zurückwünsche.

Gedichtinterpretationen fand ich prima, ich fand das Thema “Aufklärung” hochinteressant und bin überrascht, dass ich immer noch auswendig runterbeten kann, was Aufklärung ist. Ich mochte Deutsch in der Schule. Und manchmal vermiss ich das Spielen mit der Sprache wirklich.

Mir geisterte heut schon den ganzen Tag das Gedicht von Mörike durch den Kopf, allerdings stimmten die anderen Verse mit meinen Gedanken nicht mehr überein. Und so grübelte ich jetzt die ganze Zeit…mir fiel irgenwann ein, dass es sicher ein Gedichtvergleich war, weswegen mir zwei verschiedene Gedichte durch den Kopf geisterten. Irgendwann war ich mir sicher, dass unsere Lehrerin zwei Gedichte zu einem vermanscht hatte…Leider erinnerte ich mich nur noch an Fetzen “Bald sieht man, wenn…” …ja, wenn irgendwas fällt…aber was sollte da noch fallen?! Der Schleier.
Herr Google hat mir geholfen.

…Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, den grauen Himmel unverstellt, herbstkräftig die gedämpfte Welt in warmem Golde fließen.
Septembermorgen heißt es.

Nu kann ich mich wieder beruhigt der Arbeit zuwenden.